Junge Union Nordwürttemberg besucht Bukarest

Bildungsreise des JU-Bezirksverbands vom 30. Dez. 2015 bis 3. Jan. 2016 nach Rumänien

Bukarest: Ihre traditionelle politische Bildungsfahrt führte neunzehn Mitglieder der Jungen Union Bezirksverband Nordwürttemberg nach Marokko 2013/2014 und Albanien 2014 in diesem Jahr in die rumänische Hauptstadt Bukarest. Sie wurde von den Bezirksvorstandsmitgliedern Sonja Grässle (Kreisverband Göppingen) und Frank Schönhöfer (Kreisverband Main-Tauber) organisiert.

Bukarest – Neben dem Besuch der örtlichen Sehenswürdigkeiten wie dem Parlamentspalst oder dem Athenäum stand im politischen Teil der Reise ein Treffen mit Vertretern der Jugendorganisation und jungen Parlamentsabgeordneten der rumänischen konservativen Partei, der Partidul National Liberal (PNL), auf dem Programm. Auch der deutschstämmige Präsident des Landes, Klaus Johannis, gehört dieser Partei an. Die Vertreter der PNL um den stellvertretenden Vorsitzenden Sorin Ciobanu bekräftigten dabei ihre Forderung, Rumänien wirtschaftlich zu modernisieren und gegen die im Land verbreitete Korruption vorzugehen. Rumänien setze für seinen wirtschaftlichen Aufschwung auf die europäische Union und insbesondere den Handel mit deutschen und baden-württembergischen Firmen. Auf diese Weise solle auch die seit Jahren anhaltende Abwanderung junger, qualifizierter Arbeitskräfte aus Rumänien nach Westeuropa Einhalt geboten werden.

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Flüchtlingskrise betonten die Vertreter der PNL ihre kritische Haltung zur Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Angesichts der in Rumänien bestehenden Probleme bei der Integration ethnischer Minderheiten wie Sinti und Roma stehe man einer unkontrollierten Einwanderung von Menschen aus einem anderen Kulturraum kritisch gegenüber.

Der Vorsitzende der Jungen Union Nordwürttemberg, Dominik Martin (Kreisverband Main-Tauber), erklärte hierzu, dass die Junge Union der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung kritisch gegenüberstehe: „Wir wollen denjenigen helfen, die vor gegenwärtiger Bedrohung für ihr Leben aus einem Kriegsgebiet fliehen.“, so Martin. „Aber die deutschen Kapazitäten sind begrenzt und nach dem Zustrom im vergangenen Jahr fast ausgereizt und an manchen Stellen auch schon überlastet.“ Er erneuerte daher die Forderung nach einer effektiven Sicherung der Außengrenzen der Europäischen Union, wobei gerade auch Rumänien eine entscheidende Rolle zukommen müsse.

Des Weiteren sei es mit Blick auf das Verhalten Ungarns und Kroatiens im Herbst dieses Jahres erforderlich, dass die EU-Mitgliedstaaten in der Region mit einander kooperierten und nicht gegeneinander arbeiteten. Ferner müsse jeder Mitgliedstaat seinen gerechten Anteil an den Lasten durch den Flüchtlingszustrom tragen, so Martin: „Wir erleben es in der EU häufig, dass andere Mitgliedstaaten von Deutschland Solidarität fordern und das bedeutet dann meistens, dass deutsches Geld in diese Staaten fließen soll. Es ist an der Zeit, dass diejenigen Staaten, die seit ihrem Beitritt im vergangenen Jahrzehnt von der EU in vielfacher Hinsicht sehr profitiert haben, jetzt ihren Teil an den Lasten der Flüchtlingskrise tragen und diese nicht auf Deutschland abwälzen.“

Darüber hinaus kamen die Reiseteilnehmer mit jungen Vertretern rumänischer Start-Ups zusammen. Im Rahmen eines von der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierten Treffens tauschte man sich über die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rumänien aus. Der Geschäftsführer der französischen Kreditberatungsgesellschaft Coface in Rumänien, Iancu Guda, erläuterte dabei die ökonomische Entwicklung der letzten fünf Jahre im Land und ging insbesondere auf das neue Insolvenzrecht ein. Nach dessen Einführung habe sich zwar die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren innerhalb eines Jahres halbiert. Dies liege jedoch nicht an einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung, kritisierte Guda, sondern allein daran, dass die Anforderungen an die Verfahrenseröffnung verschärft worden seien. Nach wie vor mangele es in rumänischen Unternehmen an dem Bewusstsein, verfügbares Kapital dazu zu verwenden, die Produktivität des Unternehmens zu steigern: „Die Geschäftsführer kaufen sich lieber einen Bentley als in neue Maschinen zu investieren.“, so Guda. Hier müsse ein Bewusstseinswandel stattfinden, forderte auch Theresa Doamnei, deren Start-Up „aduldkids“Kindern und Jugendlichen wirtschaftliche Kompetenzen vermitteln soll.

Dominik Martin fasste die Reise abschließend mit den Worten zusammen: „Wir sehen, dass Rumänien große Potentiale hin zu einer positiven Entwicklung hat. Aber das Land muss hart daran arbeiten, diese Potentiale auch zu realisieren.“