Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem wäre ein großer Fehler

Die Junge Union Nordwürttemberg kritisiert die bildungspolitischen Pläne im Bundesverband der CDU.

Der Leitantrag, den die CDU an ihrem diesjährigen Bundesparteitag diskutieren und beschließen will, sorgt bei der Jungen Union für Unverständnis und Kritik. Der von einer Kommission unter Vorsitz von Annette Schavan erarbeitete Entwurf sieht unter anderem den Umstieg auf ein zweigliedriges Schulsystem mit Gymnasium und Oberschule vor.

„Dass die Idee nun aus unserem eigenen Bundesvorstand statt vom politischen Gegner bekommt, macht sie keinen Deut besser“, wie der JU-Bezirksvorsitzende Björn Hannemann konstatiert. „Ziel der CDU war es immer, jeden Schüler individuell so gut wie möglich zu fördern. Das ist aber nahezu unmöglich, wenn innerhalb eines einzigen Klassenverbands einige Schüler in ihren Leistungen mehrere Schuljahre voraus sind.“ Ein solcher Unterschied, wie wir ihn heute bereits in den Grundschulen vorfinden, sei für weiterführende Schulen nicht akzeptabel. Neben inhaltlichen Fragen der Bildungspolitik stimme aber auch die Grundrichtung nicht. Die Union habe sich immer für einen Wettbewerbsföderalismus ausgesprochen, insbesondere im Bildungsbereich.

„Auch die Erfahrungen anderer Bundesländer zeigen, dass man den Schülern keinen Gefallen tut, wenn man auf Biegen und Brechen möglichst unterschiedliche Schüler in eine einzige Schulart packt“, betont JU-Pressereferent Hannes Griepentrog. „Das allgemeine Niveau dieser Schulart würde sinken – in einem ressourcenarmen Land wie Deutschland, das auf eine gute Bildung angewiesen ist, brauchen wir aber gerade das Gegenteil!“ Gute Chancen für jedes Kind biete nur ein möglichst durchlässiges, mindestens dreigliedriges Schulsystem, wie es in Baden-Württemberg seit Jahren funktioniert – übrigens besser als die Schulsysteme der meisten anderen Bundesländer, wie die PISA-Studie regelmäßig beweist.

„Zudem lebt gerade Schulpolitik auch vom Vertrauen“, wie Hannemann ergänzt. Wenn die langjährige Bildungsministerin nun das Gegenteil von dem verkünde, was sie jahrelang erfolgreich praktiziert hat, helfe das weder der Union noch den Menschen. „Die CDU muss daher am dreigliedrigen Schulsystem festhalten, anstatt in einem weiteren Politikfeld den Unsinn zu übernehmen, den SPD und Grüne fordern“, so Hannemann abschließend: „Wenn wir etwas für richtig erkannt haben, dann müssen wir auch den Mut haben, dazu zu stehen. Beim Schulsystem besteht für uns als Baden-Württemberger kein Änderungsbedarf – weder durch die Grün-Rote Landesregierung, noch durch unsere eigene Bundespartei.“